Dietmar - Indianer / Leonard Peltier


Freiheit für Leonard Peltier!

Wer ist Leonard Peltier?

Für das FBI "ein bösartiger, gewalttätiger und feiger Verbrecher, der sich hinter legitimen Angelegenheiten der amerikanischen Ureinwohner versteckt". Für mich, ebenso wie für Amnesty International, Nelson Mandela, Robert Redford, Whoopi Goldberg oder die nationalen Indianerverbände der USA und Kanadas, ein politischer Gefangener, der seit 1976 (!) unschuldig im Gefängnis einsitzt und sofort und bedingungslos freigelassen werden muss. (siehe unten)

Zu den Fakten:

Im Jahre 1944 in ärmlichen Verhältnissen geboren und aufgewachsen, schloss sich Leonard Peltier, ein Sioux mit französichen Vorfahren, 1972 dem "American Indian Movement" AIM an, der ersten politisch unabhängigen Selbstorganisation der US-IndianerInnen. Im Jahr 1973 besetzten AIM-AktivistInnen die Gegend um Wounded Knee, um die Erfüllung seinerzeit geschlossener Verträge von der Regierung in Washington zu verlangen und gegen den korrupten örtlichen Stammeshäuptling Dick Wilson zu protestieren. Die Bilder bewaffneter Indianerkrieger gingen damals weltweit durch die Medien; ein Song mit dem Text "We were all wounded at Wounded Knee, you and me" landete in den Hitparaden. Nach 72 Tagen stellten die AIM-KämpferInnen auf Grund von Zusagen die bewaffnete Besetzung ein.

Weniger bekannt sind die folgenden drei Jahre, die sich den IndianerInnen als "Reign of Terror", als Schreckensherrschaft, eingeprägt haben. Gesteuert und organisiert vom FBI, terrorisierten gekaufte Indianer der so genannten GOON ("Guardians of the Oglala Nation") und Weiße die mit dem AIM tatsächlich oder vermeintlich Sympathisierenden mit Überfällen, Mord und Totschlag. Insgesamt 150 Indianer wurden in dieser Zeit ermordet, an die 300 zusammengeschlagen oder anderweitig verletzt und 562 festgenommen.

Das AIM stellt daher bewaffnete Schutztrupps gegen die GOONs auf. Unter ihnen war im Pine Ridge Reservat der Oglala Sioux auch Leonard Peltier. Am Morgen des 26.6.1975 wurde er in seinem Zelt von Gewehrsalven und Geschrei hochgeschreckt. Die Gruppe von Kindern, Frauen und Alten, die er zu schützen hatte, war offenbar von bewaffneten Angreifern umzingelt. Sehr eindringlich schildert Leonard die folgenden Ereignisse in seiner sehr lesenswerten Autobiografie "Mein Leben ist mein Sonnentanz". Peltier konnte fliehen - bis nach Kanada. Es stellte sich heraus, dass am Ende der Schießerei drei Männer tot waren: ein Indianer und zwei Weiße - Männer des FBI.

Leonard Peltier wurde im Westen Kanadas festgenommen und am 16.12.1976 aufgrund einer Falschaussage von Kanada an die USA ausgeliefert. Das FBI erhielt die Anweisung, nunmehr "die strafrechtliche Verfolgung der Bundesbehörden voll und ganz auf Leonard Peltier zu konzentrieren". Nach einmonatiger Dauer befand die durchweg weiße und auf vielfache Weise eingeschüchterte Jury Leonard Peltier des Mordes an den beiden FBI-Agenten für schuldig. Am 2.6.1977 wurde das Strafmaß festgelegt: zweimal hintereinander lebenslänglich.

Keine Gnade?

Der Verurteilte kam ins Hochsicherheitsgefängnis. Alle Versuche, die zumindest auf dem Papier bestehenden vielfältigen Möglichkeiten des US-Justizsystems zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens, zur Umwandlung der Haft- in eine Bewährungsstrafe, Strafaussetzung, Begnadigung durch den Präsidenten zu nutzen, sind bisher gescheitert. Die nächste Anhörung für eine Umwandlung der Haftstrafe in Bewährung wurde auf das Jahr 2008 festgesetzt. Dabei gab der Ankläger im Prozess von 1977, Lynn Crooks, 1985 offen zu, dass die Strafverfolgungsbehörden nicht wissen, wer die Morde begangen hat. Ein weiterer Skandal: bis zum heutigen Tage hält das FBI 6.000 Dokumente unter Verschluss, die den Fall betreffen. Alle Hoffnung richtete sich seither auf eine Begnadigung durch den US-Präsidenten. Bill Clinton begnadigte am letzten Tag seiner Amtszeit etliche Verurteilte, nicht jedoch Peltier.

Für seine Freilassung setzen sich weltweit bekannte Personen von Nelson Mandela und Desmond Tutu über Robert Redford und Whoopi Goldberg bis zu dem ehemaligen US-Generalstaatsanwalt Ramsay Clark sowie das Europäische Parlament und die Indianerverbände der USA und Kanadas. Amnesty International betrachtet ihn als politischen Gefangenen, der "unverzüglich und bedingungslos freigelassen"werden muss. Nichtsdestotrotz: Peltier sitzt immer noch im Hochsicherheitstrakt des Staatsgefängnisses von Leavenworth in Kansas. Während der Haft erlitt er einen Schlaganfall, der zur 80%-igen Erblindung eines Auges führte. Ein starkes Kieferleiden wurde durch Fehlbehandlungen noch verschlimmert, so dass er jahrelang nur breiartiges Essen zu sich nehmen konnte, bis er im März 2000 Jahres von einem kompetenten Arzt in einer Klinik außerhalb des Gefängnisses unentgeltlich behandelt wurde.

Unterstützung für Peltier

Trotz der deprimierenden Niederlage, die die Verweigerung der Begnadigung haben weder Peltier noch das Peltier-Verteidigungs-Komitee aufgegeben.

Der Gefangene sorgt sich, wie schon in den Jahren zuvor, um das Wohlergehen seines Stammes der Oglala und versucht aus dem Gefängnis heraus, Projekte zu organisieren. Seit Jahren malt Peltier im Gefängnis, nicht nur um sich sinnvoll zu beschäftigen, sondern auch, um zur Kunst und Kultur der Indianer beizutragen und um durch den Verkauf der Bilder Geld für soziale Projekte im Reservat seines Stammes einzunehmen.

Unter der Regierung von Präsident George Bush werden die Haftbedingungen derzeit noch verschärft. Seit 1. April dürfen Gefangene nur noch maximal 300 Minuten im Monat und maximal 15 Minuten hintereinander telefonieren, was die Kontakte Peltiers zur Außenwelt erheblich erschweren wird. Außerdem darf er zurzeit keine Interviews geben. Fürchten Gefängnisverwaltung, FBI und Regierung Interviews und Telefonate?

Peltier in einem Brief an seine Unterstützer anlässlich der Absage der Begnadigung am 29.01.2001:

"Ich werde auch mit meinen Freunden ... arbeiten, um eine Grundschule in Oglala zu bauen ... Die existierende Schule ist völlig unzureichend ausgestattet und unpassend und kann den Kindern nicht die qualifizierte Ausbildung geben, die sie benötigen und auch verdienen. Wir haben die höchste Durchfallerquote aller ethnischen Gruppen des Landes, und einer der Gründe dafür ist das Fehlen stimulierender und fordernder Programme für die Jugendlichen. Eine andere Idee, die ich verwirklichen möchte, ist, ein kleines Freizeitzentrum für Oglala zu bauen. Wie die meisten von euch wissen, sind die gesundheitlichen Bedingungen wohl die schlechtesten im ganzen Land. Wir wollen das ändern, indem wir mit diesem Zentrum beginnen. Wir wollen, dass das Zentrum eine moderne Ausstattung hat ..." (eigene unautorisierte Übersetzung aus dem Amerikanischen)

Das Schicksal Peltiers sollte uns nicht kalt lassen. Zum einen sollte überall auf der Welt Gerechtigkeit geübt werden. Zum anderen setzt sich Peltier mit seinem Eintreten für elementare Lebensrechte der indianischen UreinwohnerInnen zugleich auch für einen anderen Umgang mit der Natur ein und benennt die Verantwortlichen:

"Es ist Zeit, die eine Form des Völkermordes zu erforschen, die uns alle bedroht. Es ist die Zerstörung der Umwelt und des Menschen, die die industrielle Gier Amerikas nicht nur den indianischen Nationen, sondern den anderen Nationen der Welt bringt."


Wer sich über den aktuellen Stand der Dinge informieren möchte, sollte ab und zu die Internet-Seiten des Peltier-Verteidigungs-Komitees anklicken. Wer sich für Bilder, Poster oder T-Shirts mit Kunstwerken Peltiers oder für das Video des Spielfilms "Incident at Oglala" über die Ereignisse 1975 interessiert, kann diese ebenfalls dort bestellen. Das Buch "Mein Leben ist mein Sonnentanz" ist erschienen im Verlag 2001 und nur dort erhältlich.

Am 6. Februar 2002 jährt sich nun schon zum 27. Mal der Gefangennahme des Indianer-Aktivisten. Das Leonard Peltier Verteidigungskomitee in den USA hat jetzt durch Anwälte einen Antrag auf Verkürzung der Haftzeit gestellt. Im Frühjahr dieses Jahres wird mit einer Anhörung dazu gerechnet. Es werden zwei neue Prozesse in der ersten Jahreshälfte 2002 angestrebt, aber das Verteidigungskomitee hat nicht genug Geld, um die hohen Kosten aufzubringen, die den Anwälten dadurch entstehen. Deshalb ergeht die Bitte, diese "Kampagne für Wahrheit und Gerechtigkeit" finanziell durch eine Spende zu unterstützen. Spenden gehen an:

P.O. Box 583 - Lawrence, Kansas 66044 - USA

BITTE SPENDET FÜR DIE KAMPAGNE ZUR BEENDIGUNG DER HAFT LEONARDS!




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